Mount Everest Disaster 1996

Als Ehrgeiz den Verstand besiegte – und der Everest tödlich wurde

Stell dir vor: Draußen tobt ein Wintersturm. Schnee peitscht gegen die Fensterscheiben, der Wind heult durch die Straßen. Du liegst eingekuschelt in deinem Bett, die Decke bis ans Kinn gezogen, ein Becher Tee in greifbarer Nähe. Es ist kalt – aber nicht für dich. Du bist sicher. Warm. Geborgen.

Jetzt nimm diese Wärme. Und vergiss sie.

Denn ich nehme dich mit – hoch hinauf. Auf den Mount Everest. In das Jahr 1996. Zu einer Expedition, die alles hatte: Hoffnung, Ehrgeiz, Tragik – und ein Ende, das die Welt erschütterte.

Kapitel 1 – Basecamp

Die Kälte kroch wie ein leiser Dieb durch jede Ritze des Zelts. Es war früher Morgen am Fuß des höchsten Berges der Welt, und das Basislager des Mount Everest lag still unter einem bleigrauen Himmel. Auf 5.364 Metern über dem Meeresspiegel war selbst der Atem müde.

Zwischen flatternden Gebetsfahnen und eisbedeckten Zelten stand ein Mann, die Hände in die Hüften gestemmt, den Blick auf den Berg gerichtet – als würde er ihn lesen wie eine Karte, als könnte er das Kommende spüren. Rob Hall.

Er war groß. Ein Hüne mit sonnenverbranntem Gesicht und dieser neuseeländischen Gelassenheit, die selbst auf fast 6.000 Metern noch irgendwie beruhigend wirkte.
Doch unter dem breiten Kreuz und dem Profi-Lächeln arbeitete es in ihm – der Tag des Gipfelsturms rückte näher, das Wetter spielte Poker, und seine Kunden… na ja, nicht alle von ihnen hätten einen Klettergurt erkannt, wenn er sie damit gewürgt hätte.

Rob zog die Reißverschlüsse seiner Jacke höher und trat in das große Versorgungszelt. Drinnen roch es nach Tee, nassen Socken und einer Mischung aus Nervosität und Höhenmedikamenten. Sein Team war bereits wach – Sherpas, Guides, ein paar Kunden, die sich mit bleichen Gesichtern über Instant-Haferbrei beugten, als wäre es Kaviar.

Er setzte sich. Legte sein GPS-Gerät auf den Tisch. Blätterte durch die Wetterberichte.
„Noch zwei gute Tage“, murmelte er. „Dann kippt es.“

Niemand sagte etwas. Nur der Wind draußen schien zuzustimmen, als er das Zelt wie ein bockiges Tier anbrüllte.

Rob wusste: Die Besteigung des Everest war kein Abenteuerurlaub. Es war ein Tanz mit dem Tod. Und er würde alles tun, um seine Leute sicher rauf – und runter – zu bringen.

Was er nicht wusste: Diesmal würde es anders kommen.

Rob Hall

Kapitel 2 – Zwei Männer, ein Berg

Doug Hansen saß still vor seinem Zelt, die Beine ausgestreckt, die Thermoskanne fest umklammert. Sein Blick klebte am Gipfel – als wolle er sich jeden Meter einprägen, bevor es losging.

„Zweiter Versuch, huh?“ Jon Krakauer trat neben ihn, ließ sich in den Schnee fallen.

Doug nickte. „’95 war ich fast oben. Diesmal zieh ich’s durch.“

Jon musterte ihn. Doug war kein junger Typ mehr. Postbote, nicht Profi. Kein Show-Off. Nur jemand mit einem Traum, der ihn teuer zu stehen kam.

„Und wenn Rob wieder sagt, umdrehen?“

Doug zuckte die Schultern. „Dann werd ich nicht freiwillig umdrehen.“

Stille. Nur das Rascheln der Gebetsfahnen über ihnen.

Jon schaute hoch zum Berg. Der Koloss thronte über allem, still, majestätisch – und verdammt unberechenbar. Etwas in ihm zog sich zusammen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich da wirklich hoch will“, murmelte er. „Aber ich bin schon hier.“

Doug grinste schief.
„Zu spät zum Zweifeln, oder?“

Jon antwortete nicht. Er sah nur weiter nach oben – dorthin, wo die Luft dünn und die Fragen lauter wurden.

Jon Krakauer

Kapitel 3 – Menschen mit Gipfelträumen

Im Gemeinschaftszelt war es stickig. Der Tee dampfte, der Sauerstoffgehalt nicht.
Rob Hall stand vor der Gruppe, breitbeinig, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Guten Morgen, Leute. Heute wird’s ernst.“

Um ihn herum: neun Menschen, neun Geschichten. Keine Helden, keine Superstars – nur Männer und Frauen mit einem Ziel und mehr oder weniger realistischer Einschätzung ihrer Fähigkeiten.

Da war Beck Weathers, der texanische Pathologe. Groß, stur, mit Sonnenbrille selbst beim Frühstück.
„Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich’s kann“, hatte er gestern gesagt.
Jon Krakauer notierte: Ego größer als Sauerstoffflasche?

Beck Weathers

Yasuko Namba, zierlich, höflich, fast unsichtbar – bis sie über ihre Besteigungen sprach. Sechs der Seven Summits hatte sie bereits.
„Everest ist mein letzter. Dann habe ich sie alle.“

Yasuko Namba

Lou Kasischke, der Anwalt aus Michigan. Redete wenig, schaute viel. Wirkte vorbereitet – aber auch nervös.
Und dann war da Doug, natürlich. Der Rückkehrer, der die zweite Chance beim Schopf packen wollte.

Lou Kasischke

Ein paar andere Gesichter verschwammen im allgemeinen Stimmengewirr.
Rob klatschte in die Hände. „Ihr seid nicht hier, um zu träumen. Ihr seid hier, um zu überleben. Und wenn ihr oben stehen wollt, dann nur unter einer Bedingung: dass ihr auch wieder runterkommt.“

Stille.
Nur der Wind vor dem Zelt rührte sich.

Jon notierte leise in seinem Block:
„Die meisten denken, der Gipfel sei das Ziel. Aber der wahre Test beginnt beim Abstieg

Kapitel 4 – Gefrorener Atem

Die Dunkelheit vor dem Morgengrauen war klirrend still. Jeder Schritt knirschte, als würde der Boden protestieren. Minus 20 Grad, und das war erst der Anfang.

Jon Krakauer zog den Schal höher über die Nase. Seine Stirnlampe warf einen zittrigen Lichtkegel auf das Eis – kein Trost, nur ein kaltes Versprechen. Der Wind biss ihm ins Gesicht, als hätte jemand Rasierklingen hineingemischt.

Vor ihm bewegte sich Doug, langsam, steif, wie eine Marionette mit eingefrorenen Gelenken. Die Steigeisen klirrten bei jedem Schritt, Metall auf Eis, Mensch gegen Berg.

Der Khumbu-Eisbruch lag vor ihnen – ein geplatzter Gletschertraum. Türme aus Eis, groß wie Häuser, instabil wie ein Kartenhaus im Sturm. Tiefe Spalten klafften unter ihnen, manche so dunkel, dass man glauben konnte, sie führten direkt zur Hölle.

Jon blieb kurz stehen. Der Schweiß auf seinem Rücken war zu Eis gefroren. Seine Finger – trotz dicker Handschuhe – taub. Schmerzhaft taub.
„Wenn dir die Finger nicht mehr wehtun, ist das das Problem“, hatte Rob gesagt.
Jetzt taten sie nicht mehr weh.

Eine Leiter über eine Gletscherspalte. Zehn Meter Abgrund. Jon setzte einen Fuß darauf. Die Sprossen waren mit Reif überzogen.
Die Kälte schoss ihm durch die Stiefel in die Knochen, wie Gift.

Knack.
Irgendwo krachte es. Ein Eisturm verschob sich. Vielleicht zehn Meter entfernt. Vielleicht hundert. Egal. Jeder hier wusste: Es konnte jeden Moment alles vorbei sein.

Doug drehte sich um. Sein Bart war mit Eiskristallen bedeckt, die Lippen blau.
„Ich fühl meine Zehen nicht mehr.“
Jon nickte. „Ich fühl meine Seele nicht mehr.“

Der Aufstieg zog sich. Die Luft war dünn, aber die Kälte drückte schwerer. Als sie Camp 1 erreichten, war niemand euphorisch. Kein Jubel. Nur erschöpfte Körper, gefrorene Wimpern, und ein Zelt, das im Wind zitterte wie die Menschen darin.

Jon setzte sich auf seine Matte, zog die Handschuhe aus – ein Fehler. Die Kälte biss sofort zu.
„Hier oben zählt jeder Fehler doppelt“, dachte er.
Dann zog er die Handschuhe wieder an, pustete in die Hände, als würde sein Atem irgendwas retten können.

Doug Hansen


Kapitel 5 – Jenseits der Kraft

Camp 2 war kein Lager mehr – es war ein Zwischenstopp im Albtraum.
Die Sonne brannte tagsüber wie ein Ofen im Eis, nachts biss der Frost wie ein Rudel hungriger Wölfe. Keiner sprach viel. Selbst Smalltalk kostete zu viel Energie.

Jon Krakauer notierte nichts mehr. Die Finger waren zu taub, die Gedanken zu langsam.
Doug war blass, seine Augen eingefallen.
„Ich träume nicht mehr“, sagte er leise. „Ich funktioniere nur noch.“

Der Aufstieg zum Camp 3 begann im Morgengrauen – wenn man das so nennen konnte. Licht, ja. Wärme? Fehlanzeige.
Sie kletterten das Lhotse Face hinauf – eine Wand aus blankem, steilem Eis. 40 bis 50 Grad Steigung, keine Gnade.
Ein falscher Tritt, und du rutschst.
Ein gebrochener Fixpunkt, und du fliegst.
Jeder Meter war eine Entscheidung gegen den eigenen Körper.

Beck fluchte. Yasuko schwieg. Rob Hall beobachtete – mit Adleraugen, aber auch mit Sorgenfalten, die tiefer wurden.
„Sie bauen ab“, dachte er. „Jeder einzelne.“

Als sie Camp 3 erreichten, war die Welt still. Keine Geräusche, außer dem eigenen röchelnden Atem. Kein Lachen mehr, keine Witze. Nur Schmerzen. Und Schweigen.

Sie verbrachten eine Nacht dort – wenn man das Schlaf nennen konnte.
Die Kälte kroch in die Knochen. Das Essen blieb im Magen wie Steine. Jeder verlor Gewicht, Wasser, Verstand.
Einfach atmen war zu einer Aufgabe geworden.

Dann – der letzte Aufstieg:
Camp 4. 7.900 Meter.
Die Todeszone begann hier. Sauerstoff wurde künstlich. Denken war Luxus.

Der Wind dort oben klang anders – nicht wie Wetter, sondern wie ein Raubtier.
Die Zelte zitterten. Der Schnee war wie Pulver, der Himmel fahl.
Und alle wussten: Der Gipfel war nah. Und der Tod auch.

Rob trat ins Zelt, blickte in die müden Gesichter.
„Heute Nacht, gehen wir. Wer sich nicht bereit fühlt, bleibt hier.“
Niemand sagte etwas. Niemand konnte.
Denn da war kein Mut mehr. Nur ein Tunnelblick. Ein Versprechen an sich selbst. Ein letztes „Ich will da rauf.“

Und keiner ahnte,
dass manche genau dort bleiben würden.

Kapitel 6 – Die Stille vor dem Sturm

Der Aufstieg bis Camp 4 war Himmel und Hölle zugleich.
Eine Landschaft so atemberaubend schön, dass selbst das frierende Herz kurz innehielt – doch gleichzeitig so nervenzerreißend, so körperlich zermürbend, dass jeder Muskel nach Schlaf schrie. Aber Schlaf war hier oben nur ein gefährlicher Traum. Wer sich ihm hingab, riskierte, nicht mehr aufzuwachen.

Morgen sollte es zum Gipfel gehen.
Rob hatte gesagt: „Das Wetterfenster passt. Morgen ist unser Tag.“
Doch jetzt – im Moment – war an Schlaf nicht zu denken. Der Wind heulte wie ein wildes Tier über den Südcol. Er war so heftig und so eisig, dass die Gebetsfahnen flatterten wie Kriegsfahnen, als wollte der Berg selbst verkünden: Ihr seid hier nicht willkommen.

Doch dann geschah etwas Seltsames.
Fast unmerklich ließ der Wind nach. Stunde für Stunde wurde es stiller.
Und als der Morgen kam, war es plötzlich vollkommen ruhig.

Kein Wind. Kein Heulen. Nur klare Luft und eisige Stille.

Es war einer der schönsten Sonnenaufgänge, den sie je gesehen hatten – ein goldener Streifen Licht, der sich über die Gipfel legte, während das Camp in einer fast unheimlichen Ruhe lag. Es war, als hätte der Berg Mitleid. Als schenke er ihnen diesen Moment.

Und genau das wurde ihnen zum Verhängnis.


Es schien, als hätte der Wettergott persönlich ihnen ein perfektes Gipfelfenster geöffnet. Und das motivierte alle – auch jene, die eigentlich schon zu erschöpft waren.

Niemand zweifelte mehr. Niemand stellte Fragen.
Alle dachten dasselbe:
„Jetzt oder nie.“

Kurz vor Mitternacht um 23:35 am 9 Mai verließen sie Camp 4 gemeinsam mit den anderen Teams ,es war erstaunlich still, kein Wind, Kein Laut, fast gespentisch ruhig . Die Lichter der Stirnlampen zogen sich wie ein Leuchtband den Grat hinauf.
Beck Weathers war still geworden er schien blind durch den Schnee zu stampfen nachdem die Sonne aufging. Seine Augen, durch eine frühere Operation beeinträchtigt, versagten ihm endgültig den Dienst.
„Ich seh kaum noch was“, murmelte er.
Rob drehte sich um. „Bleib hier, Beck. Warte. Ich hol dich auf dem Rückweg., versprich mir das Du nicht weiter gehst, ich bringe Doug nur schnell auf den Gipfel, auf dem Rückweg nehme ich Dich mit“

Beck nickte. Setzte sich auf den Schnee. Und wartete.

Jon Krakauer, der Beobachter mit dem Notizblock, kam um 13:17 Uhr oben an, blieb nur fünf Minuten.
Er drehte rechtzeitig um. Ein kluger Zug, ohne es zu wissen.

Yasuko Namba erreichte den Gipfel gegen 14:15 Uhr (nach Rob Hall und Mike Groom laut Krakauer) Sie war damit die älteste Frau, die den Everest bis dahin bestiegen hatte.

Lou Kasischke

Erreichte den Grat am Nachmittag, jedoch stieg er kurz vor dem Gipfel wieder ab, ca. 400 ft (~120 m) unterhalb, und ging nicht ganz hoch. Laut Rede in „After the Wind“ entschied er sich kurz vor dem „Balkon“, umzukehren – um angesichts der Dunkelheit und des nahenden Sturms seine Geschichte lebend zu beenden.

Kapitel 8 – Versprechen auf 8.700 Metern

Rob stand auf dem Gipfel.

Der Wind hatte wieder eingesetzt – kalt, ungeduldig, wie eine tickende Uhr aus Eis. Er drehte sich um, blickte zurück den Grat hinunter. Da war er: Doug. Klein, gebeugt, ein Schatten im Nebel. Er schleppte sich hoch. Langsam. Zu langsam.

Rob hätte umdrehen müssen. Jeder in seinem Team wusste das, die Funksprüche vom Basislager erinnert ihn daran.
Aber Rob war nicht jeder.

Doug hatte gekämpft. Seit Stunden. Seit Jahren.
1995 hatte Rob ihn zurückgeschickt – „Zu spät, Doug. Nächstes Mal.“
Und Doug war gegangen. Ohne zu diskutieren. Ohne Groll.
Jetzt war das „nächste Mal“.

Rob trat ihm entgegen.
„Doug, wir sind über der Zeit. Wir sollten umdrehen.“
Doug hob mühsam den Kopf. Seine Lippen waren blau, sein Blick glasig.
„Ich… ich muss da rauf, Rob. Nur einmal. Ich war so nah. Bitte…“

Rob sah ihn an.
Kein Sauerstoff mehr. Kein Spielraum. Kein Plan B.
Aber auch kein Nein.

Er nickte. Kurz. Fast unmerklich.
„Okay. Wir gehen zusammen.“


Es war nach 16:30 Uhr, als sie auf dem Gipfel standen.
Der Himmel begann sich zu verdunkeln. Der Wind nahm zu. Die Sicht wurde milchig.
Doug sank auf die Knie. Starrte in die Ferne. Er sagte nichts.
Rob stand neben ihm.
Nicht als Führer.
Als Freund.

Doch der Moment war kurz.

Der Berg wartet nicht.


Sie begannen den Abstieg.

Und irgendwo weiter unten saß Beck Weathers noch immer auf dem Grat, fast blind, halb erstarrt.
Er hatte Rob versprochen, zu warten.
Und er wartete.

Der Wind blies die Spuren fort.
Die Nacht kam.

Und mit ihr – der Sturm.

Kapitel 11 – Rob & Doug

Doug schaffte es.
Spät, viel zu spät – gegen 16:30 Uhr standen sie auf dem Gipfel.
Der Himmel war grau, der Wind auffrischend.
Rob wusste, was das bedeutete.
Doch er sagte nichts.
Er ließ Doug in Ruhe schauen.
Ein letztes Mal.

Dann stiegen sie ab.

Aber Doug war am Ende.
Die Beine gaben nach.
Er stürzte.
Rob zog ihn hoch. Wieder. Und wieder.
Dann kam der Moment, in dem Doug nicht mehr aufstand.


Rob blieb. Er funkte:
„Doug ist bei mir. Ich brauch Sauerstoff. Und Hilfe.“ „Rob es ist unmöglich zu Dir hochzukommen bei diesem Sturm, wir werden es gleich morgen früh versuchen“ . Der Sturm toste, Rob konnte seine Hände von den Augen nicht mehr sehr, er konnte sie aber auch nicht mehr fühlen, trotzdem versuche er Doug mit sich zu schleifen.
Rob wusste von einem Sauerstofflager. Über Funk wurde ihm jedoch gesagt, dass die Flaschen leer seien. Das stimmte nicht. Das Ventil war nur eingefroren ( Wäre das seine Rettung gewesen). Nach Stunden in dem Sturm , als Doug nicht mehr auf seine Rufe antwortete, funkte Rob wieder:
„Wo ist Doug? Hat ihn jemand gesehen? Hat ihn jemand gefunden?“
Wieder und wieder.
Als hätte er es nicht glauben können.
Oder nicht glauben wollen.


Der Sturm kam. Orkanböhen bis 70km/h direkt ins Gesicht bei -40Grad Windchill
Rob grub sich ein, versuchte sich vor dem Wind zu schützen, aber es war unmöglich und er wusste es
Das Basislager hatte Funktkontakt mit ihm und versuchte ihn wach zu halten, aber auch sie wussten das er keine Überlebenschance mehr hatte.

Ein letzter Funkkontakt.

Er sprach mit Jan, seiner Frau in Neuseeland.
Sie war schwanger.
Er sagte:
„Don’t worry too much, sweetheart. Sleep well, my darling.“
Und dann:
„I love you.“

Danach – Stille.


Rob Hall starb am 11. Mai.
Sein Körper blieb am Berg.
Neben ihm – das Funkgerät. Doug Hansen wurde nie gefunden.

Kapitel 12 – Yasuko

Yasuko Namba stand auf dem Gipfel.
Es war 14:15 Uhr.
Ihr siebter Kontinent. Ihr siebter Gipfel.
Sie hatte es geschafft.

Aber der Berg interessierte sich nicht für Listen.
Und auch nicht für Träume.

Der Abstieg war hart.
Die Luft wurde dünner. Der Schnee dichter.
Sie war klein, schmal, erschöpft.
Mike Groom (siehe Blogbeitrag Scott Fischer) half ihr. Aber der Sturm kam schneller, als sie gingen.


In der Nacht, auf dem Südsattel, brach Yasuko zusammen.
Sie konnte nicht mehr.
Groom musste weiter.
Andere zogen vorbei.
Sie lag im Schnee.
Stumm.


Am Morgen fanden sie sie.
Beck Weathers lag neben ihr.
Er bewegte sich.
Sie nicht.

Ein Sherpa fühlte nach ihrem Puls.
„Tot.“

Sie ließen sie dort.


Yasuko starb auf dem Rückweg.
Nur 300 Meter unterhalb von Camp 4.
In Sichtweite !

Kapitel 13 – Beck Weathers

Er lag da.
Stundenlang.
Schnee und Eisbedeckten seinen Körper
Mit offenen Augen starrte er in die weisse Welt

Man hielt ihn für tot.
Die Haut grau. Die Nase schwarz.
Die Hände: steif, glasig. Erfroren.

Sie hatten ihn aufgegeben.
Zwei Sherpas zogen weiter.
„Er ist lebt nicht mehr .“

Aber Beck war da.
Irgendwo tief in seinem Kopf.
Und er hörte sie.
Die Stimme seiner Frau.
Nicht laut, aber klar.
Sie sagte nur eins:
„Steh auf. Komm zurück.“

Und er stand auf.

Ein Mensch, halb tot, halb Eisblock.
Er taumelte durch den Sturm.
Blind.
Mit abgestorbenen Händen.
Ohne Richtung.

Ein Zombie auf 8.000 Metern.

Aber er kam an Camp 4 an.
Niemand verstand, wie.
Er fiel einfach in ein Zelt.
Und war wieder da.


Beck verlor Nase, beide Hände, fast sein Leben.
Aber nicht seinen Willen.

Der Berg wollte ihn behalten.
Aber er sagte:
„Nicht heute.“

Der Morgen danach, der Wind toste immer noch wie ein wildes Tier. Das Tier war zwar angeschossen, aber wollte nicht aufgeben. Beck war zurückgekehrt, aber die Ärzte entschieden, er sei verloren und werde es nicht schaffen. Er war so schwach, dass sie ihn nicht transportieren konnten. Wir lassen ihn zurück, aber nicht Beck Weathers. Er fing an zu kämpfen. Er und ein Sherpa schafften es ins Camp 2. Am 13. Mai wurde Beck per Hubschrauber evakuiert. Das war die höchste Rettungsaktion bis dahin.

War es das Wert?

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1996, ereignete sich das schlimmste Unglück in der damaligen Geschichte des Mount Everest. Insgesamt verloren 8 Menschen ihr Leben. Alle starben auf tragische Weise.

Hier kommt die Übersicht für dich, kurz & präzise:

Gesamtzahl der Todesopfer: 8 Menschen

Adventure Consultants (Rob Hall’s Team):

  1. Rob Hall – blieb bei Doug Hansen, starb in der Todeszone
  2. Doug Hansen – vermutlich abgestürzt beim Abstieg vom Gipfel
  3. Yasuko Namba – starb in der Nacht nahe Camp 4 im Sturm

Mountain Madness (Scott Fischer’s Team):

  1. Scott Fischer – erreichte Gipfel spät, brach beim Abstieg zusammen, starb im Sturm

Andere Teams / Einzelpersonen:

  1. Chen Yu-Nan (Taiwan) – starb bereits in der Nacht vor dem Hauptanstieg
  2. Lobsang Jangbu Sherpa (Mountain Madness) – starb beim Abstieg später (16. Mai)
  3. Ngawang Topche Sherpa (vor dem Unglück krank geworden, starb Tage später)
  4. Tsewang Samanla (Indien, Indo-Tibetan Border Police) – Teil der indischen Nordroute-Expedition (vom 10.–11. Mai ebenfalls betroffen, starb beim Abstieg)

Ich habe nichts von der Zusammenarbeit von Rob Hall und Scott Fischer geschrieben. Ja, es war wichtig. Die Team entschieden sich, den Everest zusammen zu besteigen, um mehr aufeinander aufpassen zu können und miteinander zu arbeiten. Ob das im Nachhinein eine gute Idee war, werdet ihr im nächsten Blog lesen. Dort werde ich Scotts Geschichte beschreiben, denn sie hat eine eigene Tragik.

Ein Traum ist ein Traum ist ein Traum.
Doch am Everest entscheidet nicht, wie sehr du ihn willst.
Sondern, ob du rechtzeitig loslässt.

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